Rainer Vogt (März 1991) anläßlich des 125jährigen Jubiläums
Die Geschichte des Orchester Berliner Musikfreunde e.V.
Dilettanten - vor 125 Jahren war das noch kein Schimpfwort, sondern bezeichnete positiv die "Kenner und Liebhaber", die von jeher großen Anteil am Musikschaffen hatten. Vom italienischen Begriff für Vergnügen - "diletto" - leitet denn auch der "Berliner Dilettanten Orchester Verein" seinen Namen ab, als er sich 1866 konstituiert. In kunstvoller deutscher Handschrift nennt das Statut vom 1.2.1871 seine Ziele:
"§ 1 Der Berliner Dilettanten Orchester Verein hat den Zweck, seinen Mitgliedern Gelegenheit im Zusammenspiel und zugleich eine gesellige Unterhaltung zu gewähren.
.§ 2 Zu diesem Zweck finden sich die Mitglieder einmal wöchentlich im Vereinslokale ein. Die musikalischen Übungen stehen unter geregelter Leitung eines technischen Dirigenten. Oeffentliche Aufführungen sollen nur zu Wohlthätigkeits- oder Vereinszwecken veranstaltet werden."
Und was auch für das heutige OBM e. V. immer noch unverzichtbar ist, regelt der § 4: "Als monatlichen Beitrag hat jedes Mitglied 15 Silbergroschen zu entrichten." (Heute sind es 83 Groschen pro Monat...).
Dafür bekamen die Orchestermitglieder und ihre Gäste einiges geboten. Ein Programm vom 2.4.1870 nennt für das Konzert im Saal des Clubhauses Krausenstraße 10 u. a. einen Sinfoniesatz vom Romberg und anschließend: Tanz! Julius Schumann heißt der erste Dirigent, an dessen Programmen heutzutage zwei Dinge auffallen: zum einen die Länge, so braucht man am 20.1.1870 gleich zwei Konzertpausen, zum anderen der starke Anteil damaliger Gegenwartsmusik.
Unter Theodor Rehbaum, ab 1871 Chef der Dilettanten, treten bereits professionelle Künstler mit so imponierenden Titeln wie "Königlicher Hofopernsänger" oder "Konzertmeister" auf. Solistische Einlagen lockern das orchestrale Programm auf, wobei Rehbaum es sich nicht nehmen läßt, auch eigene Stücke zu Gehör zu bringen. Und Titel wie sein "Elegischer Gesang für die Violine" sagen über das bürgerliche Musikleben der Romantik vielleicht mehr aus als manch langer Vortrag.
Als ab 1879 Prof. Heinrich Urban die Dilettanten leitet, kommt es zu ersten Konzerten mit dem berühmten Geiger, Brahms-Freund und Berliner Musikhochschulgründer Joseph Joachim. Auch Siegfried Ochs, der erste Leiter des Philharmonischen Chores, gibt Konzerte mit dem Orchester. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß Philharmonischer Chor und OBM nun schon seit Jahrzehnten in derselben Kreuzberger Schulaula proben.
Natürlich gibt es auch Einbrüche in der Vereinsgeschichte. Als man sich unter dem "Königlichen Musikdirektor" Pasch auf das 25jährige Vereinsjubiläum vorbereitet, hat man Anlaß, Werbezettel drucken zu lassen, in denen "sich der unterzeichnete Vorstand ganz ergebenst erlaubt, Ew. Wohlgeboren den Verein in empfehlende Erinnerung zu bringen." Viel Erfolg hatte die Aktion wohl nicht.
Erst unter dem bedeutenden Violinpädagogen, "Hofkonzertmeister" Max Grünberg, gelingt die Konsolidierung. So ist man imstande. 1897 zum Schubertjahr ein beachtliches Konzert mit anschließendem Abendessen und Tanz zu veranstalten. Ob heutige Orchestermitglieder derartige Traditionen vermissen? Auf alle Fälle ist zu beklagen, daß heutzutage kein Abendessen für "Mk 1,50" angeboten wird... Als Fortschritt kann hingegen verstanden werden, wenn in unserem heutigen Programm der damals übliche Hinweis fehlen kann:
"Es wird gebeten, während des Concerts nicht zu rauchen." Und das "gemüthliche Beisammensein" hatte auch seinen Pferdefuß: "Herren, welche am Tanz theilnehmen, zahlen 50 Pfg."
Neben dem "Berliner Dilettanten Orchester Verein" hat die "Neue Orchester-Vereinigung" Anlaß, 1899 "an die Musikliebhaber und Musiker Berlins" zu appellieren, ihrem Orchester beizutreten. Als ihr Leiter Prof. Gustav Hollaender, Direktor des Sternschen Konservatoriums, 1906 ausscheidet, liegt es nahe, mit dem "Berliner Dilettanten Orchester Verein" zu fusionieren. Am 15.4.1906 findet das erste Konzert der nunmehr entstandenen "Neuen Orchester Vereinigung - Berliner Musikfreunde" im Saal der Königlichen Hochschule für Musik statt, damals in der Potsdamer Str.120, und zwar "Zum Besten der Pflegestation VII, der unter dem Protektorat Ihrer Majestät, der Kaiserin und Königin stehenden ,Frauenhülfe"'.
Derartigen Wohltätigkeitszwecken gelten die Konzerte dieser Jahre oft, so "zum Besten der Weihnachtsbescherung armer Kinder", oder "zum Besten des "Freiwilligen Erziehungsbeirates für schulentlassene Waisen'". Auch zu Jugendkonzerten in der (alten) Philharmonie werden die Musikfreunde herangezogen.
Während noch 1905 ein Kritiker über das Orchester schreibt: "Die Herren haben es zu einer bemerkenswerten Fertigkeit gebracht", betont ein Werbezettel von 1906. daß die "Aufnahme von Damen und Herren an den Uebungsabenden" möglich sei. Bewirkt hat diese Tendenzwende sicherlich das "Fest-Concert zum Internationalen Frauen-Congress zu Berlin" am 15.6.1904. Und frauenfreundlich geht es weiter am 2.5.1906 beim Konzert "zum Besten einer Ferien-Kolonie des "Neuen Frauenbundes des Westens"'.
Wie perfekt der damalige Vorstand seine Mitglieder informiert, geht aus den gedruckten Hinweisen zu einem Konzert "zum Besten des "Roten Kreuzes'" hervor - übrigens mit 126 Mitwirkenden!
Welche Resonanz Liebhabermusizieren seinerzeit hervorrief, zeigt die Tatsache, daß nach einem Konzert im Jahre 1904 neun Kritiken in den Berliner Zeitungen erscheinen. Wir wollen versuchen, über das heutzutage typische Desinteresse der Medien an unserer Arbeit nicht zu enttäuscht zu sein, wenn uns damit vielleicht Äußerungen wie die folgende von 1909 erspart bleiben:
"...Zudem ergab sich ein fortgesetztes Mißverhältnis zwischen dem Lärm des Orchesters und der ankämpfenden Ohnmacht des an sich wirklich nicht kleinen Organ des Sängers."
Wobei erwähnt werden muß, daß auch damals durchaus schon Platz für Selbstkritik war, wie die köstliche Ironie einiger "Tafellieder zum Stiftungsfest" von 1909 beweisen.
Wenngleich im Laienbereich qualitative Abstriche unumgänglich sind, hält der "Verein für bildende Volksunterhaltung" das Orchester ab 1910 mehrerer Verpflichtungen wert. Und Gigantisches steht 1911 auf dem Programm mit Tschaikowskys "Pathetique" und Liszts "Dante-Sinfonie" mit dem Berliner Lehrerinnen-Gesangsverein. Auch für andere Novitäten ist das Orchester offen, so spielt eine Pariser Harfenistin mit den Musikfreunden ein Pierne-Konzertstück auf der damals völlig neuartigen chromatischen (also pedallosen) Harfe, die sich allerdings nie durchsetzte.
Und dann, beim Blättern in den alten Programmen, wird schlagartig deutlich, wie auch das Musizieren Teil der Zeitgeschichte ist. Das anfängliche Schmunzeln weicht der Nachdenklichkeit beim Konzert "zum Besten der Beschaffung von Liebesgaben für das im Felde stehende Reserve-Infanterie-Regiment No. 93". Es findet statt am 7.11.1915 - im Ersten Weltkrieg. Und vielleicht ist es eine Folge dieses Krieges, wenn 1919 weitere Amateurorchester dem Verein beitreten, der sich nun "0rchestervereinigung Berliner Musikfreunde e.V." nennt.
Nach 23 Dirigentenjahren wird Prof. Max Grünberg von Kapellmeister Carl Zimmer abgelöst, der schon vorher die neu eingetretene "Berliner Orchester-Vereinigung 1874/1882" geleitet hatte. Yoshitomo nennt er sich als Komponist seinerzeit weltweit gespielter Unterhaltungsmusik, und natürlich dirigiert er auch beim OBM eigene Stücke, wie die "Japanische Legende: Das Lied der tausend Vögel".
Erneut stutzt man beim Blättern: das Photo eines dirigierenden Jungen mit Spitzenkragen, knielanger Hose, weißen Söckchen: 5.3.1920 Theater des Westens "Letztes Orchesterkonzert des 11 jährigen Dirigenten und Pianisten Rio Gebhardt." Leider können verschiedene Musiklexika die Neugier nicht stillen. Zu dieser Zeit hat das OBM einhundert Mitwirkende! Und fleißig sind die Musiker: allein von 1920 sind sieben Programme erhalten, für Nichtprofis eine hohe Zahl von Konzerten. Auch die aufgeführten Werke machen immer wieder Staunen, so eine Aufführung der immens anspruchsvollen "Symphonie fantastique"von Berlioz am 9.4.1922. Übrigens kostet das Programm hierfür 1 Mark. Am 6. 2. 23 muß man bereits 50 Mark bezahlen; die Inflation macht natürlich auch vor dem OBM nicht halt. Geradezu vermessen erscheint es, wenn in den Zwanziger Jahren die Orchestervereinigung Berliner Musikfreunde eine Abonnement-Konzertreihe anbietet. Für das Richard Wagner gewidmete 3. Abonnement-Konzert kostet das Programm 80 Mark, und die Plätze liegen zwischen 800 und 1500 Mark. Die Inflation scheint die Lust am Feiern eher zu steigern, denn nach dem folgenden Mozartabend, bei dem "Bastien und Bastienne" aufgeführt wird, findet ein "Bunter Teil" statt mit Ball, Swinemünder Kur-Kapelle (37 Mann) usw. Hinweis im Programm: "Schluß fünf Uhr morgens."
Die Amateurorchesterszene im damaligen Berlin ist beachtlich und verzehrt sich nicht in Konkurrenzkämpfen, was ein Festkonzert am 24.2.1924 beweist. Gemeinsam mit dem OBM spielen Ärzte-Orchester, AEG-Orchester und Berliner Orchesterverein zusammen u. a. Beethovens 5. Sinfonie mit 221 Mitwirkenden. Auffällig oft wiederholt man in dieser Zeit Konzerte aufgrund großer Nachfrage, so auch ein Programm mit einer Uraufführung: Carl Zimmer hatte "seinem" OBM eine Watteau-Suite (nach sechs Gemälden des preußischen Hofmalers) gewidmet.
Zum 100. Todestag Beethovens bringt das OBM mit dem Cäcilien-Chor 1927 die 9. Sinfonie zur Aufführung. Heutzutage füllt das Werk einen Konzertabend, damals kombinierte man es mit der Egmont-Ouvertüre und dem 5. Klavierkonzert! GMD Hans Gahlenbeck war Dirigent der Aufführung, die übrigens auch wiederholt werden mußte.
Als 1929 Camillo Hildebrandt das OBM übernahm, gab es sogar eine Rundfunkdirektübertragung aus dem (inzwischen wiedererstandenen) Schauspielhaus. Immerhin bekam das OBM mit ihm einen Dirigenten, der von 1912 bis 1919 die sogenannten volkstümlichen Konzerte des Berliner Philharmonischen Orchesters geleitet hatte. Bis 1932 hält der 1953 Verstorbene dem Orchester die Treue. Nach seinem Weggang wird es still um das OBM. Das Jahr 1933 wirkt sich selbst auf das Liebhabermusizieren verheerend aus: das Laienorchesterwesen wird erfaßt - das OBM gehört plötzlich zur neu gebildeten "Reichsmusikkammer - Fachschaft Volksmusik", und seine jüdischen Mitglieder, etwa ein Drittel des gesamten Orchesters, müssen gehen. Erst 1937 liegt wieder ein Konzertprogramm vor, und die Werke, die Max Feiler dirigiert, lassen auf ein erheblich kleineres Orchester schließen. Feiler, der im Hauptberuf Kapellmeister am "Künstlertheater", wie die "Komische Oper" zwischenzeitlich hieß, und Lehrer am Konservatorium war, leitet das OBM bis 1941. Unwohl wird dem Leser bei der Durchsicht eines Programms "Volksmusikwoche der Fachschaft Volksmusik in der Reichsmusikkammer - Gau Berlin", die vom 25.3. bis 6.4.1939 mit einer Abschlußkundgebung im Sportpalast stattfindet. Bei dieser wettbewerbsartigen Veranstaltung spielt das OBM ein Werk des 1911 geborenen Helmut Jörns. Zwei Jahre später fällt er in Rußland.
Als das OBM im März 1940 bei der Bachschen Johannespassion im Gebäude der Singakademie (dem heutigen Maxim-Gorki-Theater) mitwirkt, singt der dem Berliner Publikum bis heute vertraute Helmut Krebs den Evangelisten.
Sergiu Celibidache ist 1941 Student der Hochschule für Musik, als er die Leitung des OBM übernimmt. Man kann davon ausgehen, daß die ersten Kritiken dieser internationalen Karriere seine OBM-Konzerte betreffen. Er würzt seine Programme auch mit Werken seiner Heimat, wie 1942 mit dem "Rumänischen Divertimento" von Sabin Dragoi. Der Solist dieses Konzertes ist dem Berliner Publikum ebenfalls bestens bekannt: Max Kayser, den das OBM beim Bruch-Violinkonzert begleitet. Das wird auf Jahre hinaus das letzte Konzert, Der Krieg kann nicht ignoriert werden; ab 1943 ist es nicht mehr möglich, sich zu den Orchesterproben zu versammeln.
So wird Celibidache der letzte OBM-Dirigent vor einer langen Zwangspause für die Hobbymusiker. Sorgfältig verwahrt werden seine "Übungen für Laienorchester", die er dem OBM widmete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Hunger nach Kultur außerordentlich groß, die Menschen nehmen häufig zusätzliche Entbehrungen auf sich, um wieder Musik zu machen. Die versprengten Musiker suchen den Kontakt zueinander, was schwierig und langwierig ist. Dazu kommen bürokratische Hemmnisse, z.B. durch das Besatzungsrecht. Aber am 20.12.1949 - fast ein Weihnachtsgeschenk - wird das OBM durch die Kontrollkommission der Alliierten als nichtpolitische Organisation zugelassen. Und am 5.1.1950 findet die erste Probe im früheren Askanischen Gymnasium statt. Es ist das einzige erhaltene Gebäude in der Kreuzberger Halleschen Straße, wodurch dem OBM Instrumente, Notenpulte und ein riesiger Notenschatz erhalten blieben.
Dirigent ist der junge C. A. Bünte, der später für lange Jahre Chef des heutigen SOB werden soll. Nach Jahren dirigentischer und pädagogischer Arbeit in Japan schult er jetzt als Professor an der HdK Dirigentennachwuchs. Damals leitete er auch das Schöneberger Sinfonieorchester, das er sozusagen zum OBM "mitbrachte". Schon am 26.2.1950 findet im Probenraum das erste Konzert statt, in dem Bünte den Solisten Saschko Gawriloff beim Mendelssohn-Violinkonzert begeleitet. Das Programm vermeldet stolz: "Schirmherr: Sergiu Celibidache".
1951 nennt ein Konzertprogramm einen Dirigenten, der das Orchester ein Vierteljahrhundert später wieder übernehmen wird: Hermann Bauer. Für junge Dirigenten wie ihn sind Laienorchester gesuchte "Instrumente" zum Üben, denn die Praxis der Orchesterleitung kann nicht theoretisch vermittelt werden. Für die Orchester ergibt sich dadurch jedoch oft das Problem mangelnder Kontinuität, da mit dem ersten Engagement des jungen Kapellmeisters die Suche nach dem Nachfolger beginnt. So erging es dem OBM auch mit Volker Wangenheim, der 1952 - gerade 23jährig - das OBM übernimmt. Er, der 1954 mit dem Berliner Kunstpreis ausgezeichnet wird, erzieht später das Bundesjugendorchester zu Schallplattenqualität, wird Generalmusikdirektor der Bonner Beethovenhalle und 1962 Professor in Köln. Selbst wenn ein Amateurorchester einen solchen Dirigenten nur drei Jahre halten kann, ist das ein Glücksfall!
Übergangsweise nimmt dann ein Mediziner den Taktstock in die Hand: Dr. Kurt Löblich, der später für Jahrzehnte dem Ärzteorchester vorsteht. Ab 1958 übernimmt ein weiterer Amateur auf lange Zeit die Leitung des OBM, in dem er vorher als Geiger mitspielte: Heinz Mertins, ein Kaufmann, der sich sehr verdient macht um das, was man heutzutage Public Relations nennt. Er versteht es, dem OBM Publizität zu verschaffen, ein überaus wichtiger Aspekt für die Arbeit der Hobbymusiker, die ja nicht nur gemeinsam proben, sondern eben auch Ergebnisse ihrer Arbeit einer größeren Öffentlichkeit präsentieren wollen. Daß eine Zeitung dabei über's Ziel hinausschoß, ist aus zeitlichem Abstand nur noch amüsant. Den damaligen Mitspielern paßte allerdings der BILD-Artikel vom 24.6.1961 über das angebliche "Orchester der Millionäre", in dem sich nur Spitzen der Wirtschaft, Manager und Generaldirektoren musikalischen Ausgleich verschafften, überhaupt nicht. Immerhin kam durch diesen Artikel ein seltenes Dokument in das OBM-Archiv: eine schriftliche Entschuldigung der Berliner BILD-Redaktion! Sehr PR-wirksam dürfte auch der Fernsehauftritt des OBM 1963 in Peter Frankenfelds Sendung "Und Ihr Steckenpferd?" gewesen sein. In diesen Jahren "arbeitete" sich das OBM für seine Konzerte allmählich aus dem Probenraum in der Halleschen Straße über die "Urania" bis zum SFB-Sendesaal vor, wo es 1966 mit einem Beethovenprogramm und Prof. Lothar Broddack als Pianisten sein 100jähriges Bestehen feierte. Bekannte Solisten wie er sind sicherlich auch wichtig für öffentliche Beachtung. So war Prof. Siegfried Borries, der frühere Konzertmeister der Philharmoniker, oft als Solist beim OBM zu Gast. Ein Jahr darauf wagt man den Sprung in die Philharmonie, wo 1970 dem OBM die "Pro-Musica-Plakette" des Bun-desprädidenten durch den damaligen Regierenden Bürgermeister Schütz verliehen wird. Als Heinz Mertins die Leitung des Orchesters abgibt, wird Hermann Bauer - 24 Jahre nach seiner ersten Begegnung mit dem Orchester - 1975 erneut OBM-Dirigent. Inzwischen Professor an der Hochschule der Künste, begründet er eine Tradition, die bis heute gern beibehalten wird: das Konzertieren mit fortgeschritten Studenten "seiner" Hochschule. Zweiter Schwerpunkt der Programme dieser Zeit ist die Zusammenarbeit mit Chören, was schon in der Frühzeit des Orchesters üblich war.
Seit neun Jahren arbeitet das OBM bereits mit Prof. Claus Rößner zusammen und hofft auf weitere langjährige musikalische Partnerschaft. Das Wort Partnerschaft kennzeichnet sehr zutreffend die menschlich so angenehme, freundliche und geduldige Art, mit der unser künstlerischer Leiter sein Orchester formt. Dazu kommt als wichtiges Plus sein pianistisches Können, das er auch uns Hobbymusikern gern für die Einstudierung von Kammermusikwerken zur Verfügung stellt, die dann in den internen Sommerkonzerten aufgeführt werden. Hier erhalten die Amateure künstlerische Anstöße, wie sie Laien normalerweise verschlossen sind. Auch Programmraritäten führte das Orchester unter seiner Leitung bereits auf, so Konzerte für Kontrabaß oder Bassetthorn, die man im offiziellen Musikbetrieb kaum hört.
Wir wünschen uns sehr, daß wir noch lange diese harmonische, von großem Idealismus getragene und gleichzeitig so kompetente Leitung unseres Dirigenten genießen können.
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