|
Das Orchester Berliner Musikfreunde e.V. wurde im Jahre 1866 gegründet und ist damit Berlins ältestes und Deutschlands viertältestes Amateurorchester.
In der langen und wechselvollen Geschichte haben viele klangvolle Namen als Dirigenten oder Solisten mit dem Orchester musiziert. Hierzu gehören Joseph Joachim, der berühmte Geiger und Gründer der Berliner Musikhochschule, Mischa Elman, der noch im Wunderkindalter mit dem OBM auftrat, oder Sergiu Celibidache, der als Student einige Zeit die Leitung des OBM übernahm und ihm sogar eine Komposition widmete. Anlässlich des 100jährigen Bestehens des Orchesters 1966 wurde dem Orchester von Heinrich Lübke, dem damaligen Bundespräsidenten, die PRO-MUSICA-PLAKETTE verliehen.
Heute ist das Orchester unter seinem Kürzel OBM ein fester Bestandteil der Berliner Amateur-Orchesterlandschaft. In ihm musizieren viele, sehr unterschiedliche Menschen zusammen, die durch die Musik zu einer Gemeinschaft werden und sich in ihrer Freizeit neben ihren anderen individuellen Verpflichtungen für ihr Orchester einsetzen. Die Verbundenheit mit dem Orchester zeigt sich häufig in einer langen Mitgliedschaft, die bei einigen bereits die 40jährige Zugehörigkeit überschritten hat.
Die Mitspieler und Mitspielerinnen des OBM kommen aus unterschiedlichen Generationen und Nationen. Neben den gemeinsamen musikalischen Erlebnissen führt der persönliche Austausch zu Verständnis füreinander. Das OBM leistet damit auch einen Beitrag zur Integration in Berlin.
In einer weiteren gemeinschaftlich-sozialen Tradition, die schon seit Gründungszeit besteht, unterstützt das OBM durch Benefizkonzerte hilfsbedürftige Menschen. Wurde 1901 noch für „schulentlassene Waisen“ oder 1906 bereits schon für den Vorläufer des heutigen Deutschen Roten Kreuzes gespielt, sind es heutzutage Benefizkonzerte für die Flutopfer in Indonesien (2004) und Japan (2011), bei denen jeweils mehrere tausend Euro erspielt werden konnten.
Das Repertoire des OBM, welches in erster Linie sinfonische Werke aus der Klassik und Romantik umfasst, wird immer wieder ergänzt durch interessante Werke des 20. Jahrhunderts. So begeisterte des OBM das Publikum unter anderem mit Werken von Béla Bartók (Ungarische Bilder, 2005), Yoko H. Wylegala (Willkommen im Dodoland, 2008, UA), Mieczyslaw Weinberg (Sinfonietta Nr. 1, 2009), Akira Ifukube (Ballata Synfonica, 2009), Arturo Marquez (Danzon 2, 2011) und Leevi Madetoja (Suite pastorale, 2011).
Neben rein sinfonischen Werken spielt das Orchester auch mit anderen Klangkörpern zusammen und führte so zusammen mit der Cantorei der Reformationskirche Berlin Moabit unter anderem das Requiem von W.A. Mozart, den „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie dessen 2. Sinfonie auf. Ein besonderes Projekt stellte auch das Gemeinschaftskonzert 2008 mit dem isländischen Amateurorchester Sinfóníuhljómsveit áhugamanna dar und ermöglichte Einblicke in eine andere Musikkultur Europas.
Zu den Besonderheiten des amateur-musikalischen Lebens zählen für das OBM die musikalische Gestaltung der Gedenkveranstaltung zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy 2009 im Plenarsaal des deutschen Bundesrates und die Mitwirkung als Schauspieler für einen Werbefilm der Daimler AG 2006.
Gerade in einer Stadt wie Berlin, die über eine Musikkultur von Weltruf verfügt, haben es Amateure mitunter schwer, wahrgenommen zu werden. Umso mehr freut sich das Orchester, dass seine Konzerte immer wieder von einer Vielzahl von Zuhörerinnen und Zuhörern besucht werden und Konzertsäle wie die Philharmonie immer wieder füllt, wobei es ihm nebenbei gelingt, auch Menschen an die Klassische Musik heranzuführen, die sonst keine Gelegenheit dazu haben. |